Ist Elektromobilität der Schlüssel zur klimafreundlichen Mobilität von morgen?

23.02.2018

Im Gegensatz zu vielen anderen sehe ich die Elektromobilität als einen Teil, aber nicht als die alleinige Lösung für die Mobilität von morgen. Ein Elektroauto ist nicht immer die klimafreundlichste Option. Hier sollte man einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen. Wo kommt der Strom her? Wie viel Energie wird zur Herstellung der Batterien benötigt? Wo und unter welchen Bedingungen werden die Batterien gefertigt? Wir brauchen auf absehbare Zeit Verbrennungsmotoren und Elektromobilität. Eine Entweder-oder-Politik ist der falsche Weg. Deswegen halte ich auch nichts von einer festen Jahreszahl für das Ende des Verbrennungsmotors. Statt einer ideologischen Dämonisierung des Verbrennungsmotors brauchen wir Technologieoffenheit. Denn auch für PKWs gibt es weitere alternative Kraftstoffe wie Gas (CNG) oder Wasserstoff.

Bei anderen Verkehrsträgern spielt Elektromobilität nur eine untergeordnete Rolle. Flugzeuge setzen auf Biokraftstoffe, nur sehr kleine Maschinen können mit einem Elektromotor betrieben werden. Die Schiffe der Zukunft fahren mit Flüssiggas (LNG) oder Methanol. Nur am (Flug-)Hafen macht ein Landstromanschluss Sinn. Schiffsabgase treiben in den Hafenstädten die Schadstoffkurven in die Höhe, wenn sie zum üblichen Stadtverkehr hinzukommen. Heutzutage produzieren Schiffe, während sie im Hafen liegen, den nötigen Strom mit eigenen Generatoren an Bord. Schiffsdiesel ist billiger, als den Strom im Hafen aus der Steckdose zu kaufen.

LKWs können ebenfalls auf Flüssiggas (LNG) umrüsten. Elektromotoren sind keine Alternative, denn die Batterien müssten unglaublich groß sein, um einen 40-Tonner in Bewegung zu setzen. Man kann LKWs allerdings genau wie Züge an elektrische Oberleitungen anschließen und sogenannte eHighways schaffen. Siemens hat dafür kürzlich eine Teststrecke auf der A5 zwischen Frankfurt und Darmstadt eröffnet. Der Aufbau der nötigen Infrastruktur kostet natürlich Milliarden und lohnt sich höchstens für viel befahrene Hauptachsen. Aber dafür ist das System flexibel. Wenn es keine Oberleitungen gibt, fahren die LKWs einfach mit ihrem herkömmlichen Motor weiter. Durch sogenanntes „Platooning“ lassen sich weitere Einsparungen erzielen. LKWs fahren dabei dicht im Konvoi mit gleichmäßiger Geschwindigkeit gesteuert von automatischen Abstandshaltern. Die Fahrer überlassen der Elektronik die Kontrolle über den LKW.

Neue Mobilitätskonzepte für die Zukunft

Die Fahrzeuge und Antriebe werden sich in Zukunft auf jeden Fall verändern. Deshalb muss man natürlich auch für die nötige Lade-Infrastruktur sorgen. In der entsprechenden Richtlinie 2014/94/EU haben wir Mindestvorgaben für die Mitgliedstaaten gemacht, darüber, wie viele Elektro-, CNG-, LNG- und Wasserstoff-Ladestationen bis 2025 eingerichtet werden müssen. Zusätzlich müssen alle Fahrzeuge leichter werden, denn je weniger Gewicht, desto weniger Kraftstoffverbrauch. Darauf achten nicht nur die Flugzeugbauer.

Aber ich zähle vor allem auf neue Mobilitätskonzepte: Lastenfahrräder mit Elektroantrieb für die letzte Meile in der Stadt, Drohnenlieferungen für entlegene Gebiete und für den Individualverkehr Verkehrsdienste wie Uber und car sharing. Außerdem glaube ich an das „polluter pays principle“. Wenn man auf der Autobahn für jeden gefahrenen Kilometer bezahlen muss, auch als PKW-Fahrer, ist das weit gerechter und umweltfreundlicher als Pauschalbeiträge wie die KFZ-Steuer und die Autobahnvignette. Die neuen Vorschläge der Verkehrskommissarin Bulc zur Eurovignetten-Richtlinie gehen daher genau in die richtige Richtung.

 

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Gesine Meißner

Mitglied des Europäischen Parlaments

Mitglied im Umwelt- und Verkehrsausschuss