Klimafreundliche Mobilität von morgen – ein paar Ideen

21.03.2018

Wie sieht unsere Mobilität der Zukunft aus? Eine schwierige Frage angesichts des schnellen Wandels, den nicht nur der Verkehrssektor sondern alle Lebensbereiche durch Digitalisierung, Automatisierung und technischen Fortschritt erleben. Vermutlich sitzen wir in autonomen Fahrzeugen, die mit ihrer Umwelt und untereinander kommunizieren, elektrisch, mit Brennstoffzelle oder synthetischen Kraftstoffen fahren und mit Bus und Bahn ein dichtes Netz an Möglichkeiten aufspannen. Damit dieses Szenario Realität wird, müssen vor allem die Fahrzeuge angepasst werden. Einerseits technologisch – Automatisierung und Vernetzung – aber auch hinsichtlich alternativer Antriebe. Klimafreundlichkeit und CO2-Neutralität müssen die grundlegenden Ziele für die weitere Entwicklung des Verkehrs sein.

Klimafreundlichkeit ist das grundlegende Ziel. Wie kommen wir dort hin?

Auf der einen Seite hat die Politik verschiedene Instrumente, diesen Weg zu begleiten und in einem gewissen Maß zu steuern. Den direktesten Einfluss haben Grenzwerte für CO2 und andere Luftschadstoffe. Um bis 2050 das Ziel von null Emissionen zu erreichen, müssen wir die Grenzwerte stringent und mit langfristiger Perspektive absenken. Technologieneutralität ist dabei ein entscheidender Faktor, damit sich die (kosten-)effizientesten Technologien durchsetzen. Zudem kann die Politik eine Anschubförderung von alternativen Antrieben leisten, um die Markteinführung zu beschleunigen. Besonders intensiv werden Elektrofahrzeuge als Lösung für das Abgasproblem diskutiert. Sie sind sicher eine gute Lösung, vor allem für urbane Räume: Immer unter der Voraussetzung, dass Ladeinfrastruktur aufgebaut und der verwendete Strom aus erneuerbaren Energiequellen stammt. Auf längeren Strecken oder im Güterverkehr ist die Brennstoffzelle eine gute Ergänzung zum reinen Elektroantrieb. Grüner Wasserstoff, aus überschüssiger erneuerbarer Energie gewonnen, wäre eine saubere Lösung

Fahrzeugbau muss seinen Beitrag leisten

Andererseits müssen auch die Beteiligten im Fahrzeugbau ihren Beitrag leisten. In den letzten Jahren ist die Modellpalette im Durchschnitt schwerer und größer geworden. Obwohl ein Teil dieser Entwicklung auf gestiegene Sicherheitsanforderungen zurückzuführen ist – mehr Airbags, mehr Technik – ist gerade die Nachfrage nach SUVs rasant gestiegen und hemmt damit erheblich die Fortschritte beim Spritverbrauch und den CO2-Emissionen. Gerade hier kann der Leichtbau helfen, diese Entwicklung zu bremsen. Das richtige Material an der richtigen Stelle einzusetzen, kann Gewicht einsparen, was sich wiederum positiv auf den Verbrauch auswirkt. Insbesondere im Hinblick auf die Reichweite batterieelektrischer Fahrzeuge ist das Gewicht entscheidend. Zudem werden neue Mobilitätskonzepte, die auf autonomen, vernetzten und „gesharten“ Fahrzeugen basieren, ein an ihrer Funktion orientiertes Design erfordern.

Starke europäische Industrie

Für Leichtbau, Batterien, Brennstoffzellen und technologische Komponenten werden Metalle, seltene Erden, und andere Grundstoffe benötigt, die oft aus Krisenregionen kommen oder unter fragwürdigen Umständen gewonnen werden. Um davon unabhängiger zu werden, muss das Prinzip der Kreislaufwirtschaft durchgesetzt werden, damit bereits im Umlauf befindliche Ressourcen wieder verwendet werden. Zudem kann und muss in Forschung und Entwicklung verstärkt nach möglichen Alternativen gesucht werden. Um das Ziel einer klimafreundlichen und zukunftsfähigen Mobilität zu erreichen, muss die Politik klare und ambitionierte Vorgaben machen und damit mittel- und langfristige Planungssicherheit für die Industrie schaffen. Ebenso müssen Unternehmen ihren Beitrag leisten, indem sie Forschung, Entwicklung und Produktpalette an diese Herausforderungen anpassen. Nur mit einer starken und innovativen industriellen Basis kann der Wandel im Verkehr gelingen.

 

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Ismail Ertug

Mitglied des Europäischen Parlaments