Recycling liegt in der DNA der Metalle

07.09.2016

Metalle werden immer ge-braucht und nicht ver-braucht. Damit bildet der Werkstoff die ideale Basis für den Recyclingprozess. Roland Leder, Vorsitzender der Unternehmensinitiative „Metalle pro Klima“, erklärt in der FAZ-Sonderbeilage „Recycling & Ressourcen“, welche Rolle die Metallindustrie für Klimaschutz und Ressourceneffizienz spielt. 

 

Wieso ist Recycling für zukünftige Generationen so wichtig? 

 

Roland Leder: Schätzungen zufolge könnten bis zum Jahr 2050 bis zu neun Milliarden Menschen auf unserem Planeten leben. Das sind pro Tag 200.000 zusätzliche Menschen – die Welt wächst also täglich um eine Stadt wie Mainz oder Erfurt. Das zeigt, dass die Menschen nachhaltige Nahrung, Wasser und Energie brauchen.

Gleichzeitig benötigen sie auch Metalle für ihre Mobilität, Häuser, die Infrastruktur und für die Kommunikation. Recycling kann dabei helfen, die wichtigen Ressourcen zu sparen.

Kennen Sie dafür Beispiele?

 

Roland Leder: Energie- und Ressourceneffizienz ist eine Kernkompetenz der Nichteisen-Metallindustrie. Die Best-Practice Beispiele der 19 Mitgliedsunternehmen von Metalle pro Klima bilden den aktuellen Stand unserer Branche ab und stellen innovative Projekte für Klima- und Ressourcenschutz vor.

Sowohl durch veränderte Produktionsprozesse als auch durch neue Entwicklungen, z.B. beim Leichtbau im Automobil- und Flugzeugbereich, können Metalle umweltschonend und ressourceneffizient aufbereitet werden. Ein gutes Beispiel dafür sind Legierungen, die Metalle hitzefester und härter machen können sowie vor Korrosion schützen.

Welche Herausforderungen kann Recycling lösen?

 

Roland Leder: Metalle können ohne Qualitätsverlust recycelt werden. Sie sind der ideale Werkstoff für die Energie- und Mobilitätswende sowie die Digitalisierung. Einer aktuellen Studie des Öko-Instituts zu Folge hat Metallrecycling allein im Jahr 2014 mehr als 7 Millionen Tonnen CO2 eingespart.

Das entspricht etwa den jährlichen Treibhausgasemissionen von 3,8 Millionen Haushalten oder 3,2 Millionen Pkw. Und das Klimaschutzpotenzial steigt sogar noch, wenn das anthropogene Lager weiter anwächst.

 

 

Anthropogenes Lager?

 

Roland Leder: Metalle die heute benutzt werden, sind in Bauwerken, der Infrastruktur oder in Gebrauchsgütern nur vorübergehend „gelagert“. Aluminium, Kupfer oder Zink, die heute in unseren Gebäuden und Autos stecken, können in Zukunft wieder in die Recyclingkreisläufe integriert werden.

Die Metalle sind daher nicht weg, sondern zwischengelagert. Laut der Studie des Öko-Instituts hat das Metalllager im Jahr 2050 ein CO2-Einsparungspotenzial von 634 Millionen Tonnen.

Das heißt, dass einmal verwendete Metalle immer wieder eingesetzt werden können?

 

Roland Leder: Genau! Nichteisenmetalle sind Kreislaufwerkstoffe und können wie erneuerbare Materialien ohne Qualitätsverlust immer wieder verwendet werden. Schätzungen zufolge werden 80 Prozent des jemals erzeugten Kupfers und 75 Prozent des Aluminiums auch heute noch eingesetzt.

Steckt denn auch in anderen Metallen noch Recyclingpotenzial?

 

Roland Leder: Ja, zum Beispiel bei den Technologiemetallen wie Lithium, Silber oder Zink. Sie sind wichtig für Hightech-Anwendungen und die Umwelttechnologie. Eine Windkraftanlage enthält zum Beispiel über 14 Nichteisenmetalle. Daher braucht es gute Rückgewinnungsquoten beim Recycling. Viele unserer Mitgliedsunternehmen sind hier bereits Innovationstreiber.

 

Zum Artikel in „Recycling und Ressourcen“ geht hier