Edelmetallrecycling in der Kreislaufwirtschaft

01.12.2016

Das Ziel des aktuell diskutierten „Circular Economy“-Pakets der EU Kommission ist die Entwicklung hin zu einer stärker zirkularen, umweltfreundlichen, ressourceneffizienten und wettbewerbsfähigen Wirtschaft in der EU. Allerdings gibt es in der Praxis auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft und effizienterem Recycling noch eine Reihe von Herausforderungen. Das gilt auch für Metalle, auf die im Circular Economy-Paket explizit eingegangen wird. Metalle sind die idealen Kandidaten für eine Kreislaufwirtschaft, da sie grundsätzlich „unendlich“ oft ohne Qualitätseinbußen wieder verwendbar sind.

Für viele Metalle gibt es in Europa keine eigene Lagerstätten- und Bergbaubasis mehr, die europäische Industrie ist von Metallimporten abhängig. Das gilt insbesondere für die in vielen technischen Anwendungen wichtigen Edel- und Sondermetalle. Allerdings existiert durch Altprodukte wie Elektro(nik)schrott oder Altfahrzeuge eine große sekundäre Metall-Lagerstätte.

Aus technischer Sicht können daraus mit modernen Recyclinganlagen viele Metalle mit sehr guten Ausbeuten recycelt werden. Bei Umicore liegen diese z.B. für die Edelmetalle Gold, Silber, Platin und Palladium bei über 95%, zusätzlich werden mit unseren innovativen metallurgischen Verfahren viele weitere Metalle zurückgewonnen. Die Herausforderung ist jedoch, die Altprodukte im Vorfeld möglichst vollständig zu erfassen und in technisch-organisatorisch optimierte Prozessketten für das Recycling einzusteuern. Wenn das gelingt, kann durch die Steigerung der Recyclingmenge die Importabhängigkeit reduziert und zusätzlich auch ein signifikanter Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden. Denn der Energiebedarf zur Gewinnung von Metallen aus dem modernen Recycling beträgt nur einen Bruchteil der Energie, die bei Gewinnung im Bergbau benötigt würde. Entsprechend niedriger fallen die damit verbundenen CO2-Emissionen aus.

Erhebliche Mengen von Elektroaltgeräten und Altautos werden nicht ordnungsgemäß recycelt

Trotz des großen Recyclingpotenzials und der guten technischen Möglichkeiten werden allerdings erhebliche Mengen von Elektroaltgeräten und Altautos nicht ordnungsgemäß recycelt. Gründe sind die Nichterfassung von Altprodukten, illegale/dubiose Abfallexporte oder Recycling in qualitativ schlechten Anlagen entlang der Recyclingkette. Somit besteht in Deutschland, Europa und global noch ein erhebliches Optimierungspotenzial.

Hier spielt die Abfallgesetzgebung und deren Vollzug eine wichtige Rolle und vom Circular Economy Paket können wichtige Impulse ausgehen. Ein Ansatz könnte dabei sein, für das Recycling bestimmter komplexer Produkte (wie z.B. Elektroschrott) technische Standards, Audits und Zertifizierungssysteme vorzugeben, und diese Produkte ausschließlich in entsprechend zertifizierten Anlagen zu recyceln. Die Anlagenzertifizierung würde dabei neben der Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards auch technische Mindestanforderungen an die Rückgewinnung von Metallen und anderen Materialien beinhalten. Entscheidend ist, dass dadurch für moderne, saubere Recyclinganlagen ein faires Wettbewerbsumfeld geschaffen wird, denn gutes Recycling ist etwas teurer als schlechtes Recycling.

Gemeinsame Anstrengungen und kreative Kooperationen von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft

Eine Kombination aus anspruchsvollen Sammelquoten und der Kanalisierung der gesammelten Mengen über qualitativ hochwertige und spezialisierte Recyclingprozesse entlang der Recyclingkette würde einen wichtigen Schritt bedeuten hin zu einer besseren Nutzung der Sekundärlagerstätten und der Vermeidung von Metallverlusten. Ziel muss es sein, einmal in den Verkehr gebrachte Metalle auf Dauer im Kreislauf zu halten, d.h. diese immer wieder durch Recycling für den Einsatz in Neuprodukten zur Verfügung zu stellen. Es wird aber auch in einer Kreislaufwirtschaft nicht möglich sein, den gesamten Rohstoffbedarf allein aus dem Recycling zu decken, denn mit wachsender Weltbevölkerung, steigendem Wohlstand sowie neuen Technologien wird die Nachfrage nach bestimmten Rohstoffen weiter zunehmen. Recycling und Bergbau bleiben daher komplementäre Systeme.

Ein Beispiel für eine seit Jahrhunderten funktionierende Kreislaufwirtschaft ist Gold in Schmuck, Münzen und Barren. Von den gut 180.000 Tonnen Gold, die insgesamt in der Menschheitsgeschichte gefördert wurden, sind über 90% noch heute im Umlauf, der entscheidende Treiber ist hier der hohe Wert. Es ist offensichtlich, dass in Deutschland und Europa für die meisten anderen Metalle auf dem Weg zu einer echten Kreislaufwirtschaft noch einiges zu tun ist. Dies kann nur durch gemeinsame Anstrengungen und kreative Kooperationen von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft erreicht werden.

 

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Prof. Dr. Dr. h.c. Markus Reuter, Helmholtz-Institut Freiberg – Smartphones & Co.: Herausforderung für Recyclingindustrie und „Circular Economy“

Dr. Matthias Buchert, Öko-Institut e.V. – „Zur Zukunft des Recyclings – Wir haben was auf Lager“ 


dr-chrsitian-hagelueckenDr. Christian Hagelüken

Leiter Regierungsangelegenheiten Europa

Umicore AG & Co KG