Metallrecycling als Wertstoffquelle in der Kreislaufwirtschaft

13.12.2016

Die Agenda für eine Kreislaufwirtschaft in der Europäischen Union ist nicht nur eine politische Initiative, die abgearbeitet werden muss, sondern eine dringende Notwendigkeit, ein umwelt- und klimapolitischer Imperativ. Das Pariser Klimaabkommen gibt uns den großen Rahmen vor. Nun müssen der Vertrag und die europäischen Verpflichtungen mit vielen einzelnen Maßnahmen in den verschiedenen Politikbereichen ausgefüllt werden. So auch beim Umgang mit Wertstoff- und Abfallströmen.

Gerade das Europäische Parlament sieht sich als Advokat einer Transformation hinzu einer ressourcensparenden Wirtschaft und fordert von Kommission und Mitgliedstaaten konsequente Reformen. Durch eine Reduktion der Abfallmengen werden Umwelt und Rohstoffe geschont, durch mehr Recycling kann Abfallverbrennung und somit CO2-Emmissionen reduziert werden. Schätzungen gehen davon aus, dass man in der EU bis zum Jahr 2030 insgesamt 32 Prozent weniger Ressourcen verbrauchen und die Treibhausgasemissionen halbieren könnte. Bei emissionsintensiven Produktionsprozessen ist das Einsparpotenzial noch größer. So entstehen bei der Herstellung von Metallerzeugnissen aus recyceltem Material bis zu 95 Prozent weniger Emissionen als in der Primärerzeugung. Im rohstoffarmen Europa kann man es sich nicht leisten, diese Potenziale ungenutzt zu lassen.

Die Entwicklung zu einer zirkulären Wirtschaft, in der Ressourcen durch die Verlängerung von Produktlebenszeiten, Wiederaufbereitung und Recycling so lang wie möglich im Kreislauf gehalten werden, birgt auch enorme Potenziale für unternehmerische Geschäftsmodelle und damit für Arbeitsplätze. Gerade auf dem Weltmarkt sind innovative Technologien ein Wettbewerbsvorteil. Die Europäische Umweltagentur verwies schon für das vorangegangene Jahrzehnt auf einen überdurchschnittlichen Beschäftigungsanstieg in der Recyclingbranche. Ehrgeizige und umfassende Reformen und Zielmarken könnten diese Entwicklung weiter befördern. Gerade für Deutschland sieht beispielsweise die WRAP Studie von 2015 ein Potenzial von 328.000 Arbeitsplätzen im Bereich Abfallmanagement, Recycling, Wiederraufbereitung und ähnlichen Teilsektoren, vorausgesetzt man folgt dem eingeschlagenen Pfad zu einer Kreislaufwirtschaft konsequent.

Planungssicherheit durch Zielvorgaben, Förderung und Verfügbarkeit 

Dabei ist es die Aufgabe der Politik, den Unternehmen Planungssicherheit zu geben, aber auch Regelungen und Anreize zu schaffen, die ein umweltpolitisch attraktives Geschäftsmodell auch wirtschaftlich lohnenswert machen. Bei der Reform der europäischen Abfallgesetzgebung, die derzeit in EU-Ministerrat und Europäischen Parlament diskutiert wird, kommt es deshalb insbesondere auf drei wichtige Stellschrauben an:

Als Grundvoraussetzung müssen die übergeordneten langfristigen Zielvorgaben für das Jahr 2030 ehrgeizig genug sein, um Unternehmensentscheidungen und -investitionen einen klaren Weg zu weisen. Daher setzt sich die sozialdemokratische Fraktion im Europaparlament dafür ein, die von der Kommission vorgeschlagenen Quoten für die gesamte Recyclingmenge auf 70 Prozent und für das Metallrecycling auf 80 Prozent anzuheben. Dies muss mit strengen Vorgaben zur Eindämmung der Deponierung von recyclingbarem Material einhergehen. Folgerichtig müssen wir bis 2030 effektiv zu einem Deponierungsverbot von Stoffen kommen, die wiederverwend- bzw. recycelbar sind oder aber zur energetischen Verwertung genutzt werden können.

Eine zweite Notwendigkeit liegt in der Förderung von Produkten und Materialien, die sich in besonderer Weise zur wiederholten Nutzung und zum mehrfachen Recycling eignen, die langlebig und einfach zu reparieren sind. Zur Wertschätzung von Rohstoffen wird es gehören, die Lebensdauer von Produkten wie z.B. Elektronikgeräten zu erhöhen und geplante Obsoleszenz zu vermeiden. Der Übergang zu einem zirkulären Wirtschaftsmodell ist vor allem ein ganzheitlicher Ansatz, der nicht nur die Abfallwirtschaft betrifft, sondern bereits bei Produktherstellern ansetzt. Ähnlich muss auch ein Material und Produkt in seinem gesamten Lebenszyklus betrachtet werden. So sollte der Einsatz von Ressourcen wie Metallen, die auch nach dem Recyclingprozess noch die ihnen inhärenten Eigenschaften vorweisen, explizit gefördert werden.

Die dritte Säule betrifft die Verfügbarkeit von Materialien, die sich bereits im Kreislauf befinden. Es ist unerlässlich, ausrangierte Produkte den Recyclingprozessen zur Verfügung zu stellen. Dies kann durch eine verbesserte Herstellerverantwortung erreicht werden sowie über die Vereinfachung der Altgerätesammlung und -entsorgung für Verbraucher.

Metallrecycling als Wertstoffquelle für die europäische Kreislaufwirtschaft 

Das Metallrecycling ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass heutzutage mit effizienten Methoden wertvolle Stoffe aus ausgedienten Geräten zurückgewonnen werden können. Die Wertschätzung von Ressourcen beginnt und endet damit, dass sie nicht verschwendet werden, dabei kann ein innovatives und qualitativ hochwertiges Metallrecycling eine wahre Wertstoffquelle der europäischen Kreislaufwirtschaft sein.

 

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jo-leinen_press_smallJosef Leinen

Mitglied des Europäischen Parlaments

Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit