Recycling liegt in der DNA der Metalle

22.11.2016

Es ist unbestritten: Ressourceneffizienz und Recycling – diese Themen werden in den kommenden Jahrzehnten immer wichtiger. Nach Schätzungen könnte sich die weltweite Ressourceninanspruchnahme bis 2050 verdreifachen. Im Jahr 2050 werden auf unserem Planeten voraussichtlich neun Milliarden Menschen leben. Das sind jeden Tag 200.000 zusätzliche Menschen – die Welt wächst also täglich um eine Stadt wie Rostock, Mainz oder Erfurt. Mehr Menschen brauchen mehr Nahrung, mehr Wasser, mehr Energie, aber auch mehr Metalle für ihre Mobilität, ihre Häuser, die Infrastruktur und die Kommunikation. Auch für Aufgaben wie die Energiewende wird es nicht ohne Nichteisen(NE)-Metalle gehen. In großen Offshore-Windkraftanlagen in Nord- und Ostsee werden bis zu 30 Tonnen Kupfer pro Windrad eingesetzt.

Metalle werden GE-braucht, und nicht VER-braucht

Es wird ein Mehr an Recycling nötig sein, um den global stetig steigenden Bedarf an Ressourcen nachhaltig zu decken. Metalle haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber vielen anderen Werkstoffen. Sie werden GE-braucht, und nicht VER-braucht. Metalle kommen als permanente Materialien erneuerbaren Rohstoffen bzw. Mehrweg-Werkstoffen sehr nahe. Sie lassen sich mit relativ geringem Aufwand immer wieder zu neuen Werkstoffen umwandeln – und das ohne Qualitätsverlust. Das liegt daran, dass die metallische Bindung nach dem Einschmelzen erhalten bleibt. Dadurch bewahren Metalle selbst nach mehrfachem Recycling ihre ursprünglichen Eigenschaften und können immer wieder für die gleiche Anwendung eingesetzt werden. Das unterscheidet sie von den meisten nichtmetallischen Werkstoffen: Ihre Leistungsfähigkeit wird durch das Recycling nicht beeinträchtigt. Schätzungen zufolge werden 80 % des jemals erzeugten Kupfers heute noch genutzt. Bei Aluminium sind es vermutlich 75 %.

Das NE-Metalllager betrug in Deutschland für Aluminium, Blei, Kupfer, Nickel und Zink im Jahr 2014 rund 76,5 Mio. Tonnen. Dies entspricht rund 950 kg NE-Metalle pro Einwohner, die im sog. anthropogenen Lager, d. h. in Gebäuden, Infrastrukturen, Fahrzeugen usw. gebunden sind. Die absolut gebundene Menge des NE-Metalllagers in Deutschland im Jahr 2014 entspricht der gut dreißigfachen deutschen Jahresproduktion im gleichen Jahr. Das NE-Metalllager in Deutschland wird bis 2050 schätzungsweise auf gut 1600 kg NE-Metalle pro Einwohner wachsen. Das theoretische Einsparpotenzial für Treibhausgasemissionen bei Kompletterschließung des NE-Metalllagers durch Recycling würde für den Stock 2014 rund 390 Mio. Tonnen Treibhausgase betragen und für den Stock 2050 rund 634 Mio. Tonnen. Dies entspricht dem 3,9-fachen der aktuellen CO2-Emissionen des Verkehrsbereichs in Deutschland.

Selbstverständlich ist dies nur ein Rechenexempel, denn die Erschließung des wachsenden Potenzials aus dem NE-Metalllager in Deutschland kann je nach Bindungsdauer der NE-Metalle nur schrittweise und langfristig erfolgen. Nach Abschätzungen der WVMetalle anhand durchschnittlicher Schrottpreise für 2015/2016 betrug der nominale Wert des gesamten NE- Metallstocks 2014 für die 5 oben genannten Metalle rund 132 Mrd. Euro. Dies entspricht pro Kopf eines jeden Einwohner Deutschlands ca. 1.656 Euro. Im Jahr 2050 ist dieser im anthropogenen Lager gespeicherte Schatz an NE-Metallen – gleichbleibende Preise vorausgesetzt – auf einen Wert von 3.065 Euro je Einwohner angewachsen. Jahr für Jahr wächst der Wert des NE-Stocks pro Einwohner um gut 36 Euro.

Circular Economy Paket der EU soll Rahmenbedingungen für Recycling setzen

Auch beim Recycling gibt es aber Grenzen. Technologiemetalle sind unbestritten wichtig für Hightech-Anwendungen und die Umwelttechnologie. Ihr Einsatz erfolgt aber oft in sehr geringen Konzentrationen oder in komplexen Stoffgemischen („Kleinst- oder Gewürzmetalle“). Aufgrund ihrer Feinverteilung ist daher eine Aufkonzentration wichtig, damit sich ihr Recycling ökonomisch lohnt. Die derzeit durchgeführten umfangreichen Studien zum Abbau von Informationsdefiziten, wo sich Technologiemetalle in Geräten verstecken, sind daher wichtig, um relevante Mengen dieser Metalle in Produkten zu identifizieren und zu ausbringbaren Mengen zu akkumulieren (Pooling). Weitere Recyclingpotenziale sind bei Technologiemetallen durchaus noch vorhanden. Das geplante Circular Economy Paket der EU sollte hierfür die notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen für das Recycling setzen.

 

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rainer-buchholzRainer Buchholz

Kreislaufwirtschaft, Ressourceneffizienz

WirtschaftsVereinigung Metalle e.V.