„Zur Zukunft des Recyclings – Wir haben was auf Lager“

29.11.2016

Ein hochwertiges Recycling von Materialien – auch Closed-Loop Recycling genannt – hat bekanntlicherweise vielfältige Vorteile für die Umwelt. Zahlreiche Materialien wie Papier, Glas, Kunststoffe etc. werden schon lange im großen Stil recycelt mit gewaltiger Einsparung an natürlichen Ressourcen, Treibhausgasemissionen und weiteren Umweltbelastungen im Vergleich zur Herstellung von Produkten aus Primärressourcen. Neuere Beispiele sind z.B. das hochwertige Recycling von Beton (als Kiesersatz für Neubeton) und Gips (aus rückgebauten Gipskartonplatten).

Metalle lassen sich häufig besonders gut und mit hohen Qualitäten recyceln. Eine besondere Erfolgsgeschichte der Recyclingwirtschaft ist daher das Recycling von Stahl/Eisen und wichtigen NE-Metallen wie Aluminium, Kupfer, Blei, Zink und Nickel. In Deutschland wird bereits jede zweite Tonne der genannten NE-Metalle aus dem Recycling gewonnen. Damit verbunden war 2014 eine Einsparung an Treibhausgasemissionen von rund 7,3 Millionen Tonnen. Darüber hinaus werden natürliche Rohstoffe wie Bauxit, Kupfererz usw. geschont. Für die genannten Metalle bestehen z.T. seit vielen Jahrzehnten eingespielte Infrastrukturen und Kompetenzen zum Sammeln, Trennen, Vorbehandeln und der Raffination dieser Sekundärrohstoffe. Deutschland und Europa haben hier eine sehr gute Stellung und es finden fortlaufend Innovationen beim Metallrecycling zur weiteren Verbesserung der Prozesse und als Antwort auf z.T. ständig komplexere End-Of-Life-Produkte statt.

Das Lager wächst: Eine große Chance für die Zukunft

Obgleich das Recycling von wichtigen Basismetallen bereits eine längere Tradition hat, liegt die beste Zeit des Metallrecyclings noch vor uns. Viele Anwendungen für Stahl, Kupfer, Aluminium etc. sind sehr langlebig. Denken wir an Gebäude, Verkehrsinfrastrukturen, Energieinfrastrukturen usw. Das bedeutet heute neu eingesetzte Metalle fallen oft erst viele Jahre oder gar Jahrzehnte später aus Ihrer Nutzungsphase heraus und stehen für das Recycling wieder zur Verfügung. Für Metalle pro Klima, einer Unternehmensinitiative in der WVMetalle hat das Öko-Institut im Sommer 2016 die Entwicklung des anthropogenen Lagers anhand der fünf NE-Metalle Aluminium, Kupfer, Blei, Zink und Nickel untersucht. In Summe wächst das anthropogene Lager dieser fünf NE-Metalle von rund 76,5 Millionen Tonnen 2014 auf rund 130 Millionen Tonnen im Jahr 2050 an.

Je Einwohner wächst das anthropogene Lager an Aluminium, Kupfer, Blei, Zink und Nickel um fast 19 kg/Jahr. Im Jahr 2050 kommt auf jeden Einwohner Deutschlands ein Stock von gut 1,6 Tonnen dieser NE-Metalle. Der nominale Wert des gesamten NE- Metallstocks 2014 für die 5 untersuchten Metalle zusammen liegt bei rund 132 Mrd. Euro. Im Jahr 2050 ist dieser im anthropogenen Lager gespeicherte Schatz an NE-Metallen – gleichbleibende Preise vorausgesetzt – auf einen Wert von 245 Mrd. Euro angewachsen. Neben der ökonomischen Bedeutung dieses wachsenden „Schatzes“ an NE-Metallen im anthropogenen Lager ist das wachsende ökologische Potenzial nicht hoch genug zu werten. Zwar wird das wachsende Metalllager nicht sofort zur Verfügung stehen, aber in der mittel- und langfristigen Perspektive kann mit einer weiteren Erhöhung des Sekundärmetallanteils an der NE-Metallproduktion in Deutschland gerechnet werden. Zur Erinnerung: bereits heute ist jede zweite in Deutschland produzierte Tonne Aluminium, Kupfer, Blei, Zink und Nickel (in Summe) aus dem Recycling. Damit sind auch für die Zukunft noch weiter Umweltentlastungen zu erwarten – zumal durch parallele Entwicklungen wie der Energiewende die spezifischen Umweltlasten aus Produktionsprozessen in Deutschland weiter sinken werden. Mit dem weltweit größten Kupferrecyclingunternehmen und der weltweit größten Recyclinganlage für Aluminium – um nur zwei wichtige Eckpfeiler zu nennen – ist der Recyclingstandort Deutschland gut gerüstet.

Welche zusätzlichen Maßnahmen sind notwendig?

Wer sich zufrieden auf Erfolgen ausruht wird zukünftige Chancen verpassen: Dies gilt für Fußballmannschaften wie für die Kreislaufwirtschaft in Deutschland. Noch immer gibt es ungenutzte Potenziale und es landen wertvolle Sekundärressourcen in der Mülltonne oder gehen zweifelhafte Wege. Die Vorteile der offenen Grenzen und des Binnenmarktes in der EU sind unbestreitbar. Im Bereich der Kreislaufwirtschaft nutzen Akteure, die mindestens der Halbwelt zuzurechnen sind, diese offenen Grenzen gerne für skrupellose Geschäfte zur Lasten der Umwelt. Dies zeigt sich z.B. darin, dass ein überwiegender Teil der in Deutschland anfallenden Altfahrzeuge nicht in Deutschland verwertet wird und der Verbleib eines Teils davon völlig unklar ist. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang zweifelhafte Exporte zu extrem zweifelhaften „Verwertungen“ bevorzugt in die osteuropäischen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Ein weiterer Materialabfluss erfolgt über die Seehäfen in Deutschland und Nachbarländern beispielsweise nach Afrika. Teilweise müssen wir hier von illegalen Praktiken reden, aber überwiegend wird die Grauzone zwischen Abfallexport und Export von Sekundärprodukten (Zweitware) gezielt ausgenutzt, um Sekundärressourcen aus Deutschland abfließen zu lassen.

Diese genannten Praktiken lassen sich nur durch konsequenteren Vollzug der zuständigen Länderbehörden abstellen. Hierfür müssen die zuständigen Stellen bei Zoll, Hafenpolizei, Aufsichtsbehörden der Bundesländer usw. aber finanziell, personell und logistisch besser ausgestattet werden. In diesem Zusammenhang wird in den nächsten Jahren von Interesse zu beobachten sein, ob die mit der Novellierung der WEEE in Kraft getretene Beweisumkehr beim Export von Sekundärprodukten wie Fernsehern, Computern etc. aus der EU die gewünschte Wirkung zeigen wird.

Werden in Zukunft entschlossen Maßnahmen getroffen, um die Graubereiche der Kreislaufwirtschaft zurückzudrängen und demgegenüber die seriösen Unternehmen der Branche zu stärken, wird für die Recyclingwirtschaft eine sehr gute Zukunft zu erwarten sein.

 

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Prof. Dr. Dr. h.c. Markus Reuter, Helmholtz-Institut Freiberg – Smartphones & Co.: Herausforderung für Recyclingindustrie und „Circular Economy“

Rainer Buchholz, WVMetalle – Recycling liegt in der DNA der Metalle


Buchert, Matthias, Öko-InstitutDr. Matthias Buchert

Bereichsleiter Ressourcen & Mobilität

Öko-Institut e.V.