Ressourceneffizienz

40 Jahre nach Veröffentlichung des Berichts des Club of Rome, der eine Endlichkeit der Verfügbarkeit von Rohstoffen vorhersagte, ist die technologische Entwicklung fortgeschritten, die eingesetzten Werkstoffe sind jedoch weitestgehend gleich geblieben: Kupfer, Aluminium, Zink, Blei, Nickel und andere Metalle sind die Bausteine der von der modernen Industriegesellschaft benötigten Zukunftstechnologien.

Um die Energiewende in Deutschland und Europa umzusetzen, sind Speichertechnologien, Wind- und Solarkraftwerke sowie Netze notwendig, die wiederum energieintensiv erzeugte Grundstoffe erfordern. Um den Bedarf an diesen Grundstoffen sicherzustellen, müssen das Recycling effizient gestaltet und Stoffkreisläufe verbessert werden. Obwohl das die metallerzeugenden und -verarbeitenden Industrien als ihre Kernkompetenzen ansehen, konzentriert sich die Industriepolitik in Deutschland und Europa immer noch auf weitere Regulierungen.

Die Transformation zu einer ressourcen- und energieeffizienteren Herstellung und Nutzung von Gütern ist hochkomplex und berührt nahezu alle Wirtschafts- und Politikbereiche. Politik, Industrie und Umweltverbände sind sich uneins in der Frage, insbesondere mit welchen Vorgaben und Instrumenten die Ressourceneffizienz verbessert werden soll.

An dieser Stelle beantworten wir einige der wichtigsten Fragen zum Thema Ressourceneffizienz.

 

Kupfer_KME

 

Bedeutet Ressourceneffizienz, in einem Produkt möglichst wenige Metalle einzusetzen?

Nicht unbedingt – Alle Werkstoffe mit hohen Marktpreisen stehen unter permanenter Überprüfung der Produkthersteller bzgl. ihres optimalen Einsatzes. Dies trifft insbesondere für Metalle zu. Metalle erfüllen in Produkten eine Reihe unverzichtbarer Funktionen und dürfen nicht nur als gesichtsloser Rohstoff gesehen werden. NE-Metalle tragen beispielsweise durch ihre Fähigkeit, Energie und Wärme zu transportieren, ihre Kombinierbarkeit zu Legierungen mit jeweils verschieden Werkstoffeigenschaften, ihr geringes Gewicht, ihre Korrosionsresistenz, ihre Langlebigkeit, ihre Wiederverwendbarkeit und nicht zuletzt durch ihre Recyclingfähigkeit ohne Qualitätsverlust entscheidend zur Energie- und Ressourceneffizienz von Produkten bei.

Diese Eigenschaften sind die Voraussetzung für energie- und ressourceneffiziente Produkte. Die Verwendung von durchschnittlich acht Tonnen Kupfer als Stromleiter in Windkraftanlagen trägt beispielsweise entscheidend dazu bei, erneuerbare Energie effizienter zu erzeugen. Die Verzinkung von Fahrzeugen verlängert entscheidend deren Nutzungsdauer. Am Ende ihrer Lebensdauer sind der Metallgehalt und der Schrottwert in vielen Fällen sogar der Grund dafür, dass Produkte überhaupt recycelt werden. Eine pauschale Verminderung des Materialeinsatzes kann daher in einer Lebenszyklusbetrachtungsweise sogar kontraproduktiv auf die Ressourceneffizienz wirken.

Wenn wir schon mehr NE-Metalle benötigen, um Umwelt und Klima wirksam zu schonen – haben wir denn genug davon?

Ja – Bei ausreichendem Wettbewerb und funktionierenden Märkten steht global eine ausreichende Menge von Metallen zur Verfügung. Aluminium als dritthäufigstes Element der Erdkruste ist in größerer Menge vorhanden als Eisen. Weltweit gibt es sehr große Kupfer, Nickel und Zinkvorkommen. Sie sind zwar in absoluten Mengen limitiert, aber die Dynamik des Marktes darf nicht übersehen werden: Hohe Metallpreise sorgen dafür, dass bestehende Mienen effizienter ausgeschöpft oder neue Mienen eröffnet werden. Die derzeit stark wachsende Nachfrage nach Metallen liegt derzeit vor allem an der Nachfrage von Entwicklungs- und Schwellenländern, da Metalle unverzichtbare Voraussetzung für Innovation, Infrastruktur und Nachhaltiges Wachstum sind.

 

Wie misst man denn Ressourceneffizienz?

Das ist derzeit noch in Diskussion – Der derzeit diskutierte Rohstoffeffizienzindikator „Domestic Material Consumption – DMC“ setzt vereinfacht heimischen Rohstoffeinsatz und Importe ins Verhältnis zum Bruttosozialprodukt. Der DMC kann zu falschen Schlüssen führen: Die Abwanderung von rohstoffintensiver Hüttenindustrie ins Ausland würde den DMC, nicht aber die Ressourceneffizienz des Landes verbessern, da anstelle von Metallerzen Metallbleche importiert würden. Umgekehrt verschlechtert sich der Indikator, wenn das Bruttoinlandsprodukt z.B. wegen eines konjunkturellen Abschwungs fällt, der Rohstoffverbrauch aber gleich bleibt. Der herkömmliche DMC bildet die Ressourceneffizienz daher nicht richtig ab und reicht als Analyse-, Berichts- und Steuerungsinstrument nicht aus. Aus Metallsicht verbucht der DMC den Aufbau des globalen „Metals Stock“ nämlich fälschlicherweise als „Verbrauch“ und unterbewertet daher die Ressourceneffizienz. Ein korrekter Indikator muss Metalle, die in der Infrastruktur gebunden sind, als „investiert“ und nicht als „konsumiert“ berücksichtigen.

 

Kann man die Ressourceneffizienz in der NE-Metallindustrie an konkreten Beispielen belegen?

Ja – Da wertvolle Metalle als Rohstoff ein relevanter Kostenfaktor sind, findet ihr Einsatz in der deutschen NE-Metallindustrie seit jeher unter höchster Effizienz statt, um im internationalen Wettbewerb auf Dauer zu bestehen und am Markt zu überleben. In der NE-Metallindustrie gibt es zahlreiche Beispiele für hochinnovative Effizienztechnologien. Einen hervorragenden Überblick bieten hierzu unsere Best-Practice-Beispiele.

 

Gießerei_1

 

Kann die NE-Metallindustrie ihren Rohstoffbedarf denn nicht ganz durch sekundäre Rohstoffe (Schrotte) decken?

Nein – Auch weiterhin werden primäre Rohstoffe (Metallerze) benötigt – vor allem aus zwei Gründen. Zum einen steigt die Nachfrage nach Metallen in vielen sich entwickelnden Ländern der Erde weiter stark an. Zum zweiten sind die heute für die Metallerzeugung benötigten Rohstoffe viel höher als die Mengen, die für das Recycling zur Verfügung stehen. Der Grund hierfür liegt vor allem an der langen Lebensdauer von Metallen in der überwiegenden Zahl an Produkten, z.B. im Bauwesen. Aber der Aufbau des globalen Metallpools stellt insgesamt kein Problem dar: Metalle in Produkten oder in der Infrastruktur sind nicht verloren, sondern stehen nach einer gewissen Zeit für das Recycling zur Verfügung.

 

 

Wie steht die NE-Metallindustrie im Vergleich zu anderen Branchen da?

Hier gibt es viele Schätzungen – Nach einer aktuellen Studie des Fraunhofer Instituts schätzen Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes, dass sie im Mittel 7 Prozent ihres Materialverbrauchs in der Produktion einsparen könnten, wenn sie die heute verfügbaren technischen Möglichkeiten optimal ausnutzen würden. Unternehmen der Metallerzeugung- und Verarbeitung sehen ihre Einsparmöglichkeiten bei 5,9 Prozent. Dies sind jedoch lediglich Schätzungen.

 

Inbetriebnahme_AluNorf_verw GB 2014

 

Gibt es bei der Verbesserung der Ressourceneffizienz pauschale Lösungen?

Nein – Pauschale Lösungen sind nicht in Sicht. Verbesserungen bei der Ressourceneffizienz unterliegen naturwissenschaftlichen, technischen, ökonomischen und letztlich auch ökologischen Grenzen. Lebenszyklusanalysen zeigen, dass in vielen Fällen zunächst einmal ein höherer Ressourcenaufwand in Produkte „investiert“ werden muss, damit es über die Nutzungsdauer der Produkte überhaupt zu Ressourceneinsparungen kommen kann, die den Investitionsaufwand in vielen Fällen übersteigen. Prominentes Beispiel ist der schwerere und teurere Dieselmotor, der im Vergleich zum Benziner in der Nutzung verbrauchsärmer ist.

 

Kann die Politik unterstützen – und sollte sie was lassen?

Ja – Anstrengungen bei der Ressourceneffizienz benötigen unterstützende politische Flankierung. Die Politik muss zum Beispiel mehr als bisher darauf hinwirken, illegale Exporte von Gebrauchsgütern und Abfällen einzudämmen. Das Recycling im Ausland ist in aller Regel im Vergleich zu deutschen Anlagen mit hohen Rohstoffverlusten bei der Ausbringung verbunden. Neben der konsequenten Umsetzung des bestehenden Rechts von allen EU-Mitgliedstaaten könnte eine globale Zertifizierung von Recyclinganlagen verhindern, dass dringend benötigte Rohstoffe in Anlagen verschwinden, die nicht den europäischen Umwelt- und Effizienzstandards genügen.

Nicht zielführend sind staatliche Maßnahmen wie Rohstoffsteuern, da sie die ohnehin hohen Materialkosten in der deutschen Wirtschaft weiter erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit der ohnehin effizientesten Unternehmen verringern. Grundsätzlich nicht zielführend sind pauschale Reduzierungsvorgaben an den Ressourceneinsatz. Auch verbindliche Rezyklatgehalte in Produkten sind der falsche Weg, da sie knappe Sekundärrohstoffe in bestimmte Verwendungen lenken und den Marktdruck und die Preise erhöhen. Verbindliche Recyclatgehalte garantieren keine höheren Recyclingquoten.